Allerheiligenstriezel: Der Brauch vom Göd und der Godn und ein Striezel aus frisch gemahlenem Dinkel

Allerheiligenstriezel aus frisch gemahlenem Dinkel mit Hagelzucker auf einem Holztisch in einer Salzburger Bauernstube mit herbstlichem Bergblick

Wenn die Tage im Salzburger Land kürzer werden, der Nebel morgens über den Feldern liegt und auf den Friedhöfen die ersten Grablichter flackern, dann steht Allerheiligen vor der Tür. Und mit diesem stillen Feiertag kommt bei uns ein ganz besonderes Gebäck auf den Tisch: der Allerheiligenstriezel. Heute erzählen wir dir, was es mit dem Brauch vom Göd und der Godn auf sich hat, und backen gemeinsam einen flaumigen Striezel aus frisch gemahlenem Dinkel.

Ein Striezel ist ein geflochtener Hefezopf, leicht süß, mit glänzender Kruste und Hagelzucker obendrauf. Er duftet nach Butter und Zitrone, und wenn du ihn frisch aufschneidest, ist die ganze Küche gleich ein bisschen gemütlicher.

Der Brauch: Warum Göd und Godn einen Striezel schenken

In Österreich und auch im benachbarten Bayern ist es ein schöner alter Brauch: Zu Allerheiligen, am 1. November, bekommen Patenkinder von ihren Taufpaten einen Striezel geschenkt. Bei uns sagt man zum Paten liebevoll Göd und zur Patin Godn. Für viele Kinder ist das einer der Momente im Jahr, auf die sie sich besonders freuen. Mancherorts ist der Striezel umso größer, je jünger das Patenkind ist, und wird mit den Jahren kleiner. Wie genau das gehandhabt wird, ist von Familie zu Familie und von Ort zu Ort verschieden.

Allerheiligen und der folgende Allerseelentag am 2. November sind Tage des Gedenkens. Viele Familien besuchen die Gräber ihrer Lieben, schmücken sie mit Gestecken und zünden Kerzen an. Über die Herkunft des geflochtenen Gebäcks wird oft erzählt, dass es an einen alten Trauerbrauch erinnert, bei dem Frauen sich zum Zeichen der Trauer ihren Zopf abschnitten. Ob das wirklich so war, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen. Schön ist aber, dass aus einem Tag der Erinnerung ein Gebäck geworden ist, das Familien zusammenbringt.

Bei uns daheim in Hallein gehört der Striezel einfach dazu. Nach dem Friedhofsbesuch sitzt die Familie in der warmen Stube, es gibt Kaffee oder Kakao, und der Striezel wird in dicke Scheiben geschnitten. Manche essen ihn pur, andere mit Butter und Marmelade.

Allerheiligenstriezel mit frisch gemahlenem Dinkel: darauf kommt es an

Dinkel eignet sich wunderbar für Hefegebäck. Frisch gemahlen bringt er einen feinen, leicht nussigen Geschmack mit, und das ganze Korn mit Keimling und Randschichten steckt im Mehl. Ein paar Dinge solltest du aber wissen, damit dein Striezel schön flaumig wird:

  • Fein mahlen: Stell deine Mühle für Hefeteig auf die feinste Stufe.
  • Etwas mehr Flüssigkeit: Frisch gemahlenes Vollkornmehl nimmt mehr Milch auf als gekauftes Auszugsmehl. Der Teig darf ruhig weich sein.
  • Nicht zu lange kneten: Dinkel mag es sanft. Rund 8 bis 10 Minuten reichen, sonst wird der Teig schnell klebrig und reißt.
  • Geduld beim Gehen: Vollkornteig braucht oft etwas länger. Ein warmer, zugfreier Platz hilft.

Rezept: Allerheiligenstriezel aus Dinkel

Für einen großen Striezel oder zwei kleine (zum Verschenken an zwei Patenkinder). Zeitaufwand: etwa 30 Minuten Arbeit, dazu rund 1,5 Stunden Gehzeit und 30 bis 35 Minuten Backzeit.

Zutaten

  • 500 g Dinkel, fein gemahlen
  • ½ Würfel frische Hefe (21 g) oder 1 Päckchen Trockenhefe
  • 250 ml lauwarme Milch
  • 60 g Zucker
  • 1 TL Salz
  • 1 Ei (Größe M)
  • 70 g weiche Butter
  • abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone
  • optional: 50 g Rosinen
  • zum Bestreichen: 1 Eigelb mit 1 EL Milch verquirlt
  • zum Bestreuen: 2 bis 3 EL Hagelzucker

Schritt 1: Dinkel frisch mahlen und Teig kneten

Mahl den Dinkel fein. Löse die Hefe mit einem Teelöffel Zucker in etwas lauwarmer Milch auf. Gib Mehl, restlichen Zucker, Salz und Zitronenschale in eine Schüssel, füg Hefemilch, restliche Milch, Ei und Butter dazu und knete alles 8 bis 10 Minuten zu einem weichen, glatten Teig. Wer mag, knetet zum Schluss die Rosinen unter.

Schritt 2: Den Teig gehen lassen

Deck die Schüssel mit einem Tuch ab und lass den Teig an einem warmen Platz etwa 60 Minuten gehen, bis er sich sichtbar vergrößert hat. In einer kühlen Herbstküche darf es auch etwas länger dauern.

Schritt 3: Vier Stränge flechten

Teil den Teig in vier gleich große Stücke und roll jedes zu einem etwa 40 cm langen Strang, in der Mitte etwas dicker, an den Enden dünner. Leg die Stränge nebeneinander und drück sie oben fest zusammen. Jetzt nimmst du immer den linken äußeren Strang und führst ihn abwechselnd über den zweiten, unter den dritten und über den vierten Strang, bis er ganz rechts liegt. Dann wieder von vorn mit dem neuen linken Strang. Am Ende die Enden zusammendrücken und unter den Striezel schlagen.

Lieber klassisch mit drei Strängen? Das funktioniert genauso gut. Wie das geht, haben wir beim Erntedankbrot aus frisch gemahlenem Korn gezeigt.

Schritt 4: Bestreichen, bestreuen und goldbraun backen

Leg den Striezel auf ein Blech mit Backpapier und lass ihn zugedeckt noch einmal etwa 30 Minuten gehen. Heiz in der Zwischenzeit den Ofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vor. Bestreich den Striezel mit der Eigelb-Milch, streu den Hagelzucker darüber und back ihn auf der mittleren Schiene 30 bis 35 Minuten goldbraun. Wird er zu schnell dunkel, leg nach 20 Minuten ein Stück Backpapier darüber. Klingt er beim Klopfen auf die Unterseite hohl, ist er fertig.

Unser Tipp: In ein Tuch gewickelt bleibt der Striezel zwei bis drei Tage saftig. Ist doch einmal etwas übrig, schmeckt er getoastet mit Butter oder als Arme Ritter herrlich.

Ideen und Varianten

  • Mit Nüssen: Statt Rosinen passen auch gehackte Walnüsse oder Mandelblättchen.
  • Zum Verschenken: Zwei kleine Striezel backen, auskühlen lassen und in ein schönes Geschirrtuch oder Butterbrotpapier mit Masche einpacken.
  • Mit Kindern: Kleine Striezel aus drei Strängen sind perfekt für Kinderhände. Die Kleinen dürfen den Hagelzucker streuen.
  • Feinere Krume: Wenn du es besonders hell und zart magst, kannst du einen Teil des Dinkels durch frisch gemahlenen Weizen ersetzen.

Mit deiner Salzburger Getreidemühle durch den Herbst

Für uns ist es jedes Jahr ein schöner Moment, wenn der Dinkel frisch gemahlen in die Schüssel rieselt und wenig später der Duft vom Striezel durchs Haus zieht. Mit deiner Salzburger Getreidemühle mahlst du dein Mehl genau dann, wenn du es brauchst, so fein, wie es dein Hefeteig mag. So wird aus einem alten Brauch ein Stück selbst gemachte Familientradition.

Probier’s aus und back heuer einen Striezel für dein Patenkind, deine Familie oder einfach für dich. Wir freuen uns, wenn du uns erzählst, wie er geworden ist!

Letzte Beiträge

Vertrag widerrufen