Son Mut Nou Mallorca: Die Arche der Feigen | Einzigartige Vielfalt & Genuss

Son Mut Nou auf Mallorca: Eine Arche für die Feige

Auf dem Anwesen von Monserrat Pons in Llucmajor wächst nicht nur Obst – hier wird das weltweite Erbe der Feige bewahrt und zelebriert. Ein Besuch in der artenreichsten Feigenbaum-Sammlung der Welt.

Inmitten der malerischen Landschaft von Llucmajor auf Mallorca verbirgt sich ein botanischer Schatz von Weltrang: Son Mut Nou. Aus der Ferne mag es wie eine weitere Plantage aus rotbrauner Erde und den Silhouetten von Mandel- und Feigenbäumen wirken. Doch dieses Anwesen ist in Wahrheit ein lebendiges Museum, eine Arche, geschaffen von der Leidenschaft eines einzigen Mannes: Monserrat Pons. Im Hauptberuf ist er Apotheker, doch seine wahre Berufung hat er im Schutz und der Kultivierung der Feige gefunden, was ihm den liebevollen Beinamen „der Apotheker der Feigenbäume“ eingebracht hat.

Eine botanische Weltreise auf den Balearen

Ein Spaziergang durch die sorgfältig angelegten Reihen von Son Mut Nou ist wie eine Reise durch die Zeit und über Kontinente. Über 2.600 Bäume wachsen hier, die eine schier unglaubliche Vielfalt an Formen, Farben und Größen repräsentieren. An einer Stelle gedeihen die Nachfahren der sieben biblischen Feigenbäume, deren Stecklinge Pons eigenhändig in der Levante-Region aufgespürt hat. Gleich daneben erstrecken sich hunderte von Sorten von den Balearen und aus ganz Europa.

Jeder Baum erzählt eine Geschichte. „Sehen Sie, das hier ist der Feigenbaum des Dichters Antonio Machado“, erklärt Pons einem Besucher und teilt mit geübter Hand eine reife Frucht. Ein anderer Baum hat eine noch weitere Reise hinter sich: „Dieser hier stammt aus Ihrem Heimatland“, sagt er zu einem Gast aus Südamerika. „Meine Schwägerin, eine Nonne, brachte mir die Stecklinge aus Moche in Nordperu mit.“

Mehr als Landwirtschaft: Ein Zentrum für Wissen und Kultur

Monserrat Pons ist sich der tiefen Bedeutung seines Lebenswerks bewusst. Son Mut Nou ist weit mehr als nur eine landwirtschaftliche Nutzfläche; es ist ein pulsierender Ort des Wissens und der Inspiration. Botaniker pilgern hierher, um die immense Biodiversität zu studieren. Gastronomen der Slow-Food-Bewegung kommen, um vergessene lokale Sorten wiederzuentdecken und auf ihre Speisekarten zu bringen. Künstler wie Mónica Fuster finden in diesem mediterranen Pantheon die Anregung für Werke, die den Verlust der Artenvielfalt thematisieren.

Regelmäßig empfängt Pons auch Gruppen, deren Interessen über das Kulinarische hinausgehen. So lauschen etwa Philologen seinen Ausführungen über die Symbolik des Feigenbaums in der katalanischen Dichtung oder Pädagogen lernen die einheimische Flora kennen, um dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.

Vom Baum zum Genuss: Die Kunst der Veredelung

Die Reise der Feige endet nicht am Baum. In einer traditionellen Steinhütte befindet sich das Herz der Verarbeitung. Hier verwandelt Monserrat Pons die Ernte in eine Palette an Delikatessen. Nach der Ernte werden die Früchte in einem Tunneltrockner schonend getrocknet, anschließend mit heißem Wasser sterilisiert und bei niedriger Temperatur im Ofen fertig gedörrt.

Diese getrockneten Feigen sind die Grundlage für das berühmte Feigenbrot, das ausschließlich mit mallorquinischen Mandeln hergestellt wird. Doch auch Feigenkompott, figat (eine feste Feigenpaste), Feigenwein, Feigengelee und sogar Feigenkaffee entstehen hier. Jede Führung auf Son Mut Nou gipfelt in einer Verkostung, bei der die Gäste diese Kreationen probieren können: Feigenbrot mit pikanter sobrasada, frische Feigen mit Käse oder einfach die süße Frucht pur.

Ein Ort der Wurzeln und Begegnungen

Für manche Besucher ist eine Reise nach Son Mut Nou eine Reise zu den eigenen Wurzeln. Wie für Agustin, einen achtzigjährigen Mann aus Nordargentinien, der hierherkam, um jene Feigensorten wiederzufinden, die seine Vorfahren vor ihrer Auswanderung Anfang des 20. Jahrhunderts kultiviert hatten. Diese tiefen persönlichen Verbindungen und das Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichsten Leidenschaften sind es, die diesen Ort mit Energie füllen und Monserrat Pons in seiner unermüdlichen Arbeit bestärken. Sein Engagement hat der Feige auf Mallorca wieder zu Ansehen verholfen und findet international Anerkennung.

Planen Sie Ihren Besuch auf Son Mut Nou:

Die Plantage ist in der Regel an zwei Tagen pro Woche geöffnet (im Sommer an drei). Individuelle Besuche außerhalb der Öffnungszeiten sind nach vorheriger Absprache mit Monserrat Pons möglich. Auch bei einem kürzeren Besuch bleibt genug Zeit, die beeindruckende Sammlung zu besichtigen und die handwerklich hergestellten Feigenprodukte zu erwerben.

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